Abfallvermeidung first!

Gefühlt gibt es zu kaum einem Thema so viele Anfragen aus der Bevölkerung wie zu den Wertstoffinseln. Zeit für eine Niederschrift!

Ausgangssituation

Laut Bundesgesetzgebung sind die Dualen Systeme für die Sammlung von Verpackungen zuständig. Die Idee: Unternehmen, die Verpackungsmüll in Umlauf bringen, sollen sich finanziell an der Abfallbeseitigung beteiligen. Dieses Mülltrennungssystem läuft also parallel und eigenständig zur öffentlich-rechtlichen Abfallbeseitigung.

Die Wertstoffinseln

In München gibt es die Wertstoffinseln, in denen Plastik, Dosen und Altglas gesammelt werden. Sehr häufig sind diese Plätze leider ziemlich ungepflegt oder der gesammelte Müll quillt über, unzählige Glasflaschen stehen davor. Kein schöner Anblick. Und auch dadurch oft nicht im Sinne der Erfindung: Der nächste Wind verteilt das einst so brav gesammelte und sortierte Plastik in der ganzen Gegend. Für diese Wertstoffinseln sind aber die Dualen Systeme zuständig. Die Stadt München hat hier keine Handhabe.

Alternative Gelbe Tonne?

Wäre dann nicht der Gelbe Sack oder die Gelbe Tonne die Lösung? Aus meiner Sicht: Leider nein. Gelbe Säcke liegen zur Abholung im öffentlichen Raum, auch hier sorgen Wind und Wetter oft zur Verteilung des Inhalts in der ganzen Gegend, wenn der Sack an einer Stelle gerissen ist. Für die Gelbe Tonne gibt es in vielen Wohnanlagen schlichtweg keinen Platz. Wie wir alle wissen: Der Grund in München ist teuer. Dies bei Neubaugebieten zu berücksichtigen ist eine echte Kostenfrage, bei Bestandsgebieten eine Nachrüstung praktisch nicht möglich.

Abgesehen von diesen rein praktischen Fragen, spricht auch noch ein inhaltlicher Grund dagegen: Es wird häufig argumentiert, dass nur sehr wenige Menschen den Gang zur Wertstoffinsel antreten und ihr Plastik einfach mit in den Restmüll werfen. Bestimmt würde man mit Gelber Sack/Gelbe Tonne mehr Plastik sammeln und eine höhere Recyclingquote erzielen. Oder? Nun ist es laut des Abfallwirtschaftbetriebs München (AWM) so: Die Menschen, die den Gang zur Wertstoffinsel antreten, trennen die Abfälle relativ gut, so dass das Plastik sortenrein vorliegt und gut recycelt werden kann. Erfahrungen aus Regionen mit einem Gelben Sack/der Gelben Tonne hätten gezeigt, dass hier keine so gute Mülltrennung stattfindet und auch viel Restmüll in den gelben Tonnen bzw. gelben Säcken landet. Das Problem wäre damit also nicht gelöst und die Anschaffungskosten für die Kommune hoch. Die Wertstoffinseln müssten außerdem bestehen bleiben, denn nach wie vor würde dort das Altglas gesammelt werden.

Wären dann Unterflurcontainer nicht die Lösung? Das wäre eine deutliche optische Aufwertung. Laut Auskunft des AWM auch hier ein klares „Nein“. An nur sehr wenigen Stellen sei dies aufgrund der verlegten Leitungen denkbar, Neubaugebiete kommen eher in Frage als Bestandsgebiete. Punktuell kann das also ein Ansatz sein, aber nicht flächendeckend für die ganze Stadt.

Let’s talk about Abfallvermeidung!

Als Grüne muss ich hier aber natürlich noch ergänzen: Bei all dem reden wir ja nur über das Thema „Sammelsystem“. Ich möchte noch sehr viel lieber über Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft sprechen. Das ist wohl der größte und gründlichste Lösungsbaustein, mit dem wir nicht nur das Symptom der unansehnlichen Wertstoffinseln bekämpfen, sondern wirklich an der Ursache ansetzen. Ein wesentlicher Baustein, damit das gelingt: Wir brauchen endlich verbindliche Quoten zur Abfallvermeidung, für Mehrweg und für Recycling. Dazu gehören auch entsprechende Vorgaben für recyclingfähige Verpackungsdesigns. Nur so entsteht dann auch endlich ein Markt für recycelte Kunststoffe. Ohne diese Initiativen auf Bundesebene können wir uns hier und anderswo in den Kommunen vortrefflich über die verschiedenen Sammelsysteme streiten — solange die gesammelten Wertstoffen aber gar keine Abnehmer finden, tragen wir damit Eulen nach Athen. Gerne vormerken für die Wahlentscheidung bei der kommenden Bundestagswahl!

Unsere Initiativen im Stadtrat zur Abfallvermeidung

Was können wir aber trotzdem vor Ort tun? Als grün-rote Koalition im Rathaus sind wir im Rahmen unserer kommunalen Möglichkeiten sofort nach Amtsantritt aktiv geworden. Und zwar ganz im Sinne der Abfallvermeidung und damit der Ursachenbekämpfung: Wir wollen Mehrwegsysteme in München für Gastronomie und Lebensmitteleinzelhandel (Supermärkte & Co.) stärken. Dazu fand bereits ein sehr gutes Gespräch mit der Münchner Gastronomie statt, ein weiteres mit dem Einzelhandel folgt. Zusätzlich wird im Kommunalreferat (das zuständige „Ministerium“ auf Stadtebene) gerade ein Konzept erarbeitet, wie München zur Zero-Waste- und Circular-City werden kann. Also zur Stadt, in der kein nicht verwertbarer Müll mehr anfällt und echte Kreislaufwirtschaft herrscht.

Unabhängig von den nötigen Änderungen auf Bundesebene, braucht es mittelfristig natürlich auch Verbesserungen hier vor Ort. Dazu haben wir jetzt ein umfassendes Maßnahmenbündel geschnürt, das u.a. umfasst:
– häufigere Leerungen der Container
– Nutzung der Digitalisierung: bspw. können Sensoren den Füllstand übermitteln
– optische Aufwertung der Wertstoffinseln
– Gewinnung weiterer Standorte auf privatem Grund für Wertstoffinseln (bspw. in Kooperation mit Supermärkten)
– ein überprüfbares Beschwerdemanagement
– Festlegung verbindlicher Kriterien für das Qualitätsmanagement, die mit Vertragsstrafen ggü. den Dualen Systemen versehen werden

Außerdem wollen wir zukünftig als Stadtrat nicht einfach nur über die Ergebnisse der Vertragsverhandlungen mit den Dualen Systemen informiert werden, sondern diese vor der Unterzeichnung diskutieren und sie mitgestalten. Unser vollständiger Antrag findet sich hier.

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